Im Schuljahr 2008/2009 beschloss die Schulleitung den Umbau des Betonlabors, da dieses näher an die Maurerwerkstatt verlegt werden sollte. So ergab sich die Möglichkeit im alten Betonlabor ein neues Klassenzimmer für die Parkettleger einzurichten und dazu den Boden aus notwendigen Gründen im Rahmen einer Projektarbeit komplett neu zu gestalten.

Im Frühjahr 2010 startete dann nach einer längeren Planungsphase der eigentliche Umbau unter Beihilfe verschiedener Fachfirmen aus dem Baugewerbe. Die einzelnen Phasen des Umbaus sind wie folgt.

  • Vorbereitung des Bodens
  • Isolierung und Trittschalldämmung
  • Einbringen des neuen Estrichbelages
  • Verlegung des Bodenbelags
  • Feld 1 “Schwingungen”
  • Feld 2 “Stern”
  • Feld 3 “Die Welt”
  • Herstellen der Fußleisten
  • Das Ergebnis

Vorbereitung des Bodens

Die Prüfgeräte der Maurer wurden ab- und im neuen Labor wieder aufgebaut. Im Anschluss daran entfernte die Firma Betz in mühevoller Kleinarbeit den Betonsockel, auf dem die Geräte bis zu diesem Zeitpunkt standen. Da der ehemalige Laborraum mit Fliesen ausgestattet war, der neue Fußboden aber aus Kautschuk bestehen sollte, überlegte man, die Fliesen nach Ausbesserung des Estrichs zu überspachteln. Herr Reimann von der Firma Weber Maxit erklärte sich freundlicherweise bereit, das Spachtelmaterial zu spenden, um so die Materialkosten für den Umbau niedrig halten zu können. Nachdem der Außendienstmitarbeiter von Maxit, Herr Götz, den Boden inspizierte und eventuelle Probleme bei dem geplante Vorgehen einbrachte, wurde beschlossen den gesamten alten Estrich zu entfernen und durch einen neuen Anhydritestrich zu ersetzen. Freundlicherweise lieferte die Firma Maxit dann das benötigte Material zu reinen Herstellungskosten. Am Unterboden musste die Bitumenpappe ausgebessert und die vorhandenen Abflüsse entfernt werden. Herr Steinle kümmerte sich um die Bitumenpappe und Herr Blässle schloss die Abflüsse. Herr Blässle übernahm dann auch die Verantwortung für den weiteren Aufbau des Unterbodens.

Isolierung und Trittschalldämmung

Im nächsten Schritt wurde der gesamte Boden mit einer Dämmung, die Herr Blässle bei der Firma Schwenk Zement KG organisierte ausgelegt. Hierzu gehört auch das Anbringen der Randstreifen. Eine abschließende Folie verhindert das Eindringen des Anhydritestriches in die Dämmung.

Einbringen des neuen Estrichbelages

Zunächst wurde aus dem Silo, welches vor dem Schulgebäude aufgestellt wurd von den Maurern unter Leitung von Herrn Blässle ca. 6,3 t Estrich in den Raum gepumpt. In den folgenden Tagen musste der Boden vor Zugluft geschützt werden, damit keine Risse auf der Oberfläche entstehen können. Beim Abbinden des Betons entsteht Wärme. Anhand dieser Wärme kann man den Abbindegrad sowie die Restfeuchtigkeit bestimmen. Erst wenn diese einen vorgegebenen Wert erreicht haben, kann man mit dem Einbringen der Spachtelmasse, welche zur endgültigen Nivelierung des Bodens beiträgt, beginnen. Nach 8 Tagen war der Estrich belegreif. Nach dem Abschleifen mit 16er Korn sollte er nun mit einer Spachtelung von 3 mm Stärke versehen werden. Herr Braun von der Firma Weber Maxit brachte eine Sackmaschine mit, in der Spachtelmasse angemischt und über Schläuche in den Raum gepumpt wird. Zu Beginn der Arbeiten erklärte Herr Braun die arbeits- und funktionsweise der Maschine. Das Material wird oben eingefüllt und in einem Grobmischer mit Wasser gemischt. Von dort aus läuft die Masse in einen Feinmischer. Dies beiden Schritte sind notwendig, damit es nicht zu Verstopfungen im Schlauch kommt. Nachdem die fertige Masse entnommen werden kann, wird der erste Eimer immer weggeschüttet, da er erfahrungsgemäß zu viel Wasser enthält. Als nächstes wird eine Fließprobe angefertigt: Hierzu wird in einen Ring eine vorgeschriebene Menge Spachtelmasse gegeben und dieser dann angehoben. Auf einer Platte läuft die Spachtelmasse auseinander. Über einem Zeitraum von 2 Minuten darf die Spachtelmasse einen auf einer Messscheibe aufgezeichneten Kreis nicht verlassen. Nach der Messung der Oberflächentemperatur ging es los. Estrich in den Raum. Herr Braun trug die Spachtelmasse zuerst am Rand auf und ging in Schlangenlinie in den Raum. Mit einer Rakel wurden die Zwischenräume geschlossen. Mit der Rakel ist eine Auftragstärke von 3 mm gut einzuhalten. Laut Herrn Braun können auf diese Weise bis zu 3000 qm pro Tag eingebracht werden. Da der Raum rechteckig und sehr lange ist, musste nach der Hälfte des Raumes im unteren Teil neu begonnen werden. Zusätzlich wurde nochmal eine Fließprobe durchgeführt. Durch die Erklärungen und die Durchführung der Fließprobe kam es zum Antrocknen der Spachtelmasse im Übergangsbereich. Im Flurbereich wurde die Spachtelmasse nach dem Rakeln noch mit einer Stachelwalze entlüftet, was in der Optik sichtbar wurde.

Verlegung des Bodenbelags

In der Zeit, in der die Spachtelmasse trocknen musste, trafen sich die Theorie- und Werkstattlehrer, um den weiteren Ablauf der Arbeiten zu koordinieren. Man einigte sich auf folgende Durchführung des Projekts:

  • 1 Feld vorwiegend Freihand-Schnitte
  • 1 Feld grafisches Arbeiten mit Lineal und Anschlag
  • 1 Feld vorwiegend Maschinenarbeit

Die Schüler wurden gebeten Vorschläge zu diesen Vorgaben einzubringen. Die von den Schüler unterbreiteten Ideen fanden bei den Fachlehrern so großen Anklang, dass beschlossen wurde, diese in die Tat umzusetzen. So wurden dann folgende Themen in Angriff genommen:

  • eine Fläche mit Liniensegementen
  • ein Stern
  • eine Weltkarte

Nachdem die Entwürfen skizziert waren, wurde die Zusammenstellung erarbeitet, die für die Materialbestellung notwendig ist. Weiterhin wurde Material für die Friese des Raumes benötigt. Die Einteilung sah wie folgt aus: Die Größe der einzelnen Felder wurde somit auf 3,22 Quadratmeter festgelegt.

Herr Sipple übernahm nun mit der Klasse die mühevolle Aufgabe, die entsprechenden Farben den einzelnen Mustern und Restbeständen, die von der Firma Nora Systems GmbH zu sehr günstigen Konditionen geliefert wurden, zuzuordnen. Das Ergebnis seiner Arbeit gestaltete sich wie folgt:

Die mittlerweile gelieferte Ware wurde mit diesen Vorgaben abgeglichen. Die ein oder andere Farben musste neu aufgeteilt werden, weil von manchen Farben einfach zu wenig vorhanden war. Dann endlich konnte mit der Verlegung des Bodens begonnen werden. Mit einer Parkettlegerklasse im 2. Lehrjahr wurden die Friese verlegt. Folgende Schritt wurden hierbei ausgeführt:

  • Randstreifen entfernen
  • Estrich säubern
  • Friesbreite mit Anschlag schneiden
  • Einschneiden der Nischen mittels Schmiege
  • Klebstoff aufbringen mit A2 Spachtel
  • Einlegen der Bahnen

Anschließend wurde das zweite Fries eingebaut und die Querfriese folgten. Nach eineinhalb Tagen war der erste “Bauabschnitt” beendet.

Verlegung der Felder – Feld 1 “Schwingungen”

Für die Herstellung dieser Bögen fehlte den Schülern an Erfahrung und Vorstellungskraft, daher übernahm Herr Steinle die Aufgabe, mit den Schülern eine Frässchablone zu fertigen. Die Vorgabe war, eine 15 cm tiefe Schwingung von jeder Seite in den Belag zu fräsen. Der Verlauf wurde auf einem Brett angerissen und an der Bandsäge ausgesägt und geschliffen. Da die Diagonale des Feldes 4,5 m lang war, musste auch ein Brett mit dieser Länge gesägt werden. Dann wurde dieses Brett auf Rahmenhölzer geschraubt, damit man die Oberfräse daran vorbei führen kann. Ein Brett oberhalb gab die Breite des Belags vor. Die Arbeit ging gut voran. Wir stellten aber fest, das das Material des vorhandenen Bodenbelags in den gewählten Farben nicht ausreichen würde, daher musste wir uns auf vier Farben, statt nur zwei, festlegen.

Die Verlegung wurde mit einer Hauptschulklasse durchgeführt: Auslegen aller Streifen über die Mittelachse, diese war noch vom Fräsen angezeichnet. Zurückschlagen der Streifen. Aufkleben eines Klebebandes damit es am Übergang des Klebstoffbettes es zu keinen Nestern kommt. Einlegen und Anwalzen des Belages. Die Außenkante wurde mit einem Anreißer angezeichnet und passgenau eingeschnitten. Diese Arbeit wurde von den Praxislehrern selbst erledigt.

Verlegung der Felder – Feld 2 “Stern”

Als erstes musste die Größe angezeichnet werden. Dies wurde mittels Schnurschlag gemacht. Beim Entwurf war die Breite der Farbstreifen mit 40 cm angegeben. Die Schüler fanden dies zu breit, weshalb auf 30 cm reduziert wurde. Die Schüler waren Parkettleger im 2. Lehrjahr. Die Auswahl der Farben gestaltete sich etwas schwierig, da z.B. von Gelb nur 6 qm geliefert worden waren. Arbeitsschritte: Aufriss des Sterns, Ausschneiden von 30 cm-Streifen, je vier in blau und rot, Anlegen am Aufriss, Schneiden der Diagonale, Schneiden der Spitzen auf 22,5 °, Fixieren der Teile, Einschneiden der Innenfelder.

Im Anschluss daran sollte der Kreis geschnitten werden, doch leider besaßen wir keinen Kreisschneider. Gemeinsam kam man auf folgende Lösung: auf eine quadratische Platte wurde am Mittelpunkt eine bewegliche Holzleiste aufgeschraubt. Die Platte selbst wurde mit Klebeband auf dem Mittelpunkt des Sterns fixiert. Schneiden des Innenradius, Schneiden des Außenradius durch gleichmäßiges Drehen des Stabs um den Mittelpunkt. Die jeweiligen Breiten der einzelnen Teile wurden immer wieder von den Schülern ermittelt. Nach dem Kreisfries wurden die äußeren Teile angefertigt. Alle geschnittene Teile wurden mit Klebeband gemeinsam fixiert. Am Ende dieses Tages stellte man fest, dass ein zusätzliches Außenfries nötig sein würde, um das Feld komplett auszufüllen.

Die Verklebung wurde am nächsten Tag mit den Bodenlegern durchgeführt. Man versuchte eine Sternhälfte komplett ins Kleberbett zu bringen. Dies gestaltete sich sehr schwierig und gelang nur zum Teil, weshalb die zweite Hälfte wieder in einzelnen Teile verlegt wurde. Nach der Verlegung entschlossen sich Schüler, noch einen zweiten Stern unter den Ersten zu legen. Dieser wurde in den fertigen Boden eingearbeitet. Nachdem auch der letzte Außenfries zugeschnitten und eingeklebt war, konnte das Werk sich sehen lassen.

Verlegung der Felder – Feld 3 “Die Welt”

Für das dritte Feld, vorwiegend Freihandschnitte, wurde eine Weltkarte aus einem Atlas eingescannt und sollte als Vorlage dienen. Diese gescannte Grafik wurde auf eine Folie ausgedruckt. Mit einem Overheadprojektor wurde die Karte an eine weiße Wand des Klassenzimmers projiziert und auf die Bodenbelagsplatten, welche an der Wand befestigt wurde, übertragen. Die einzelne Teile wurden mit einer Oberfräse frei hand ausgefräst. Danach legten wir die Teile wieder auf dem Bodenbelag aus. Für das Einschneiden der Elemente in den Boden wurde auf eine Bodenlegerklasse gewartet. Die Fräsarbeiten und das Einkleben haben aus Zeitgründen die technischen Lehrer übernommen.

Herstellen der Fußleisten

Die Parkettleger im 2. Lehrjahr kamen noch zu einem ausgedehnten Maschinenkurs. Kurzfristig entschlossen sich die Lehrer, die benötigten Fußleisten selbst herzustellen. Aus dem Materiallager wurden Bohlen, Buche gedämpft, geholt und zu Streifen aufgetrennt. Die Schüler legten nun mit Herr Steinle zusammen das Profil fest. Nachdem die Schüler in den Umgang mit den verschiedenen Maschinen eingewiesen wurden, und die notwendigen Streifen ausgehobelt waren, wurden sie an der Fräse profiliert. Anschließend wurden die Leisten, unter Beachtung der gesetzlichen Sicherheitsbestimmungen, im Lackraum lackiert, zwischengeschliffen und nochmals lackiert.

Das Ergebnis

Der fertige Raum kann sich sehen lassen. Ein Raum in den die Schüler gerne eintreten, wissen Sie nun doch, wie viel Know-How und Arbeit in der Gestaltung eines solchen Fußbodens liegt. Wissensvermittlung und Anwendung im Rahmen eines solchen Projektes findet bei den Schülern immer wieder einen großen Anklang, da das Gelernte sofort in die Praxis umgesetzt werden kann.

Wir danken allen Unternehmen, Schülern und Lehrkräften die zum Gelingen beigetragen haben. Danke.