Presseberichte - 2014




Deutsch-französische Freundschaft schläft nicht

"Trinken die Franzosen wirklich zu jedem Mittagessen so viel Wein?" wollen die deutschen Schüler von ihm wissen und Régis Laheurte antwortet: "Oui, natürlich, aber nie mehr als drei Liter". Die Begegnungen mit den Schülern der Gewerblichen Schule nimmt er mit Humor, aber gleichzeitig auch sehr ernst. Schon nach dem Rundgang mit Schulleiter Werner Glocker ist Laheurte beeindruckt: " Die Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer sind hier ausgezeichnet."

Sein Beruf und seine Neugierde auf Deutschland haben Laheurte für zwei Wochen nach Ehingen verschlagen. Er ist Lehrer an einem Lycée, einem Gymnasium mit etwa 800 Schülern in Talange in Lothringen, einem Vierländereck zwischen Luxemburg, Belgien, Frankreich und Deutschland. Saarbrücken ist nur 80 km entfernt und Metz ist die nächstgrößere Stadt (etwa 15km).

Das Lycée Gustave Eiffel, an dem Laheurte Bauwesen unterrichtet, bietet unter einem Dach eine Vollzeitausbildung an einer Berufsschule, einem allgemeinbildenden oder einem Technischen Gymnasium an. Wie in Baden-Württemberg ist das Baccalauréat, das französische Abitur am Technischen Gymnasium nicht fachgebunden und berechtigt theoretisch zu jedem Studium. "Unsere Schüler wählen aber natürlich eher technische Studiengänge wie z.B. BTS (Brevet de Technicien Supérieur) oder Ingenieurswissenschaften", erklärt Laheurte, "an unserem TG kann man zwischen den Fachrichtungen Kfz-Mechatronik, Umwelt- und Gebäudetechnik und Bauwesen wählen".

Seit drei Jahren müssen Schüler von französischen TGs eines ihrer Hauptfächer in einer Fremdsprache belegen. Je ein Fachlehrer und ein Fremdsprachenkollege arbeiten dabei gemeinsam in einer Klasse. "Ich habe einen deutschen Kollegen, der mit mir zusammen die Kurse plant und durchführt", berichtet Laheurte von diesem Unterrichtsmodell. Vom Erfolg der bilingualen Methode ist er überzeugt: "Wenn bereits ein Grundstock an technischem Vokabular vorhanden ist, sind die jungen Menschen eher bereit, auch im europäischen Ausland auf Arbeitssuche zu gehen."

Dass auch die deutsche Seite großes Interesse am Kontakt mit dem französischen Kollegen hatte, spürte Laheurte an zahlreichen Einladungen zum Abendessen, Klettern, Radfahren im schönen Donautal, Wandern auf der Blaubeurer Alb und natürlich einem Besuch im Urgeschichtlichen Museum. Plötzlich schien sie wieder ganz lebendig, die Zeit der deutsch-französischen Jugendaustausche und viele Kollegen kramten zum Vergnügen ihrer Schüler in ihren verschütteten Französischkenntnissen.

Laheurte lernte die deutsche Sprache schon in der Schule, "sogar sehr gerne", wie er betont. Er ist froh, dass sich seine Liebe zu Deutschland mit seinem beruflichen Engagement verbinden lässt, z.B. als willkommene Abwechslung im Französischunterricht. "Sind die Schüler jetzt enttäuscht, dass ich viel lieber deutsches Bier trinke als Wein?" fragt er. Sicher nicht, denn alle haben in diesen zwei Wochen viel voneinander profitiert und sogar schon Pläne für weitere Kooperationen geschmiedet.

Text und Bild: Gewerbliche Schule Ehingen

 

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